Die Pressemitteilung

Ausschnitt aus der BG-Zeitschrift Ausgabe 04/2015

"Die Sicherheitskultur hat sich klar verbssert"

Bei Imperial Tobacco Efka, einem Produzenten von Zigarettenhülsen,
sind 160 Beschäftigte angestellt. Viele von ihnen in der Herstellung. Um dort Unfälle zu minimieren, wird jeder noch so kleine Beinahe-Unfall dokumentiert.

Einmal im Monat kommen die Verantwortlichen zusammen und überlegen sich Verbesserungen, damit aus einem
gerade noch mal gut gegangen“ kein Unfall wird. „DGUV Arbeit & Gesundheit“ sprach mit Thomas Gässler, Fachkraft
für Arbeitssicherheit bei Imperial Tobacco Efka über deren Prozesse beim Erfassen der Beinahe-Unfälle.


Herr Gässler, wie werden Beinahe-Unfälle dokumentiert?

Mit unserem Erfassungsbogen, der detailliert  beschreibt, wie es zum Beinahe-Unfall kommen kann. Vier Kriterien werden als mögliche Ursachen berücksichtigt:
Lag es an der schlechten Organisation, am Verhalten des Menschen, an Einflüssen der Umgebung oder  auch an der Technologie selbst? Also ist die Maschine überhaupt sicher? Wir erfassen aber auch das Warum. Falls zum Beispiel Schutzausrüstungen außer Betrieb sind, fragen wir: warum ist das so?


Wie werten Sie die Ergebnisse aus?

Wir haben eine monatliche Review- Besprechung mit Geschäftsführer, Produktionsleiter, Managementbeauftragter,
Fachkraft für Arbeitssicherheit, Betriebsrat sowie Personen aus dem Bereich, in dem fast etwas passiert wäre. Gemeinsam legen wir fest, wo wir was verbessern. Einmal wöchentlich treffen sich Produktionsleiter, Leiter der Instandhaltung
und Hausmeister. Sie prüfen, inwieweit die Verbesserung umgesetzt wurde
und was wir weiter im Blick haben sollten.

Welche Anreizsysteme gibt es, damit Beinahe-Unfälle gemeldet werden?

Jeden Monat verlost der Geschäftsführer einen Tankgutschein unter allen, die einen Beinahe-Unfall melden. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird auf unserem Info-Bildschirm direkt am Eingang bekanntgegeben. Und wir haben das Projekt
„Tu etwas“ ins Leben
gerufen. Alle Beschäftigten werden in Gruppen von acht bis zwölf Personen zum Workshop „Sicheres Verhalten“ eingeladen. Darin reflektieren wir spielerisch unser unvorsichtiges Verhalten. Die Analyse zeigt: Oft verhält man sich aus vermeintlicher Zeitersparnis oder Bequemlichkeit nachlässig. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin nimmt sich nach dem Workshop eine bestimmte Verhaltensänderung vor und dokumentiert sie auf einem Zettel, den man mir gibt. Nach vier Wochen bekommen alle den Zettel zurück. Nun kann man kontrollieren, ob
man wirklich sein Verhalten dauerhaft geändert hat.

Wie stellen Sie sicher, dass der Workshop nachwirkt?

Nach dem Workshop werden Tu-etwas-Champions“ ausgebildet.
Sie führen bei Kollegen und Kolleginnen Sicherheitsbesuche durch. Es sind oft Schichtführer oder Sicherheitsbeauftragte, die einmal im Jahr jeden Beschäftigten besuchen und ein lockeres Gespräch führen. Neben Sicherheitsmängeln und Beinahe-Unfällen kommt auch zur Sprache, wenn ein Beinahe-Unfall
durch Verhalensänderung verhindert wurde. Begleitet werden die Champions von Vertretern der Führungsebene. Damit signalisieren wir, dass auch die Führeungskräfte sicheres Verhalten unterstützen.

Können Sie Beispiele für Verhaltensänderungen nennen?

Bei Sicherheitsbesuchen wird auch gefragt, ob der Kollege andere die Kollegin
anspricht, falls zum Beispiel, wenn jemand seine persönliche Schutzausrüstung
nicht benutzt. Wir stellen fest, dass sich die Sicherheitskultur klar verbessert hat. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trauen sich heute eher andere anzusprechen, was in der Vergangenheit weniger der Fall war. Und es gab allgemein die Zustimmung, Beobachtungsspiegel an verschiedenen Stellen der Anlagen anzubringen. Abweichungen vom Fertigungsprozess werden jetzt früher erkannt. Mitarbeiter
und Mitarbeiterinnen haben mehr somit Zeit, die Störungsstelle zu erreichen und das Problem zu beseitigen, was Beinahe-Unfälle verhindert.

Seit dem Geschäftsjahr 2011/2012 gab es einen sprunghaften Anstieg der gemeldeten Beinahe-Unfälle. Warum das?

Weil wir Beinahe-Unfälle enger fassen und die Akzeptanz dieses Themas seitens
der Belegschaft gestiegen ist. Sicher führten auch die genannten Anreize
zu dem starken Anstieg. So lag die Anzahl der gemeldeten Beinahe-Unfälle
im Geschäftsjahr 2011/2012 bei 25, steigerte sich in 2012/2013 auf 481 und
in 2013/2014 auf 571. Das zeigt, in den Köpfen hat sich etwas verändert. Das
ist genau, was wir sagen: Jeder muss mitmachen, um etwas zu bewegen.
Nicht nur die Geschäftsführung. Ziel ist, die Zahl der Beinahe-Unfälle zu reduzieren,
indem wir Kolleginnen und Kollegen zu Sicherheitsthemen ansprechen, die sie beschäftigen.


Beispiele für Beinahe-Unfälle

Beinahe-Unfall 1:
Zwei Flurförderzeuge stoßen fast zusammen


In der Produktionshalle fuhren zwei Flurförderzeuge aus
unterschiedlichen Richtungen aufeinander zu. Ein Fahrzeug
sollte Produktionsmaterial für die Herstellung von
Filtern aufnehmen. Das Material ist meist in zwei Metern Höhe aufeinander
gestapelt. Die Sicht ist daher eingeschränkt. Die beiden
Fahrer konnten gerade noch anhalten.



Maßnahmen:

Die Kennzeichnung der Sperrflächen wurde erneuert. In allen
Kreuzungsbereichen wurden geeignete Spiegel angebracht


Beinahe-Unfall 2:
Fast die Finger geklemmt

An der Verpackungsmaschine werden kleinere Kartons durch Vakuum
angesaugt. Manchmal kommt es vor, dass ein Karton aus dem Teller springt und einen Stau verursacht. Eine Mitarbeiterin fasste von unten
in die Maschine, um einen Karton, der sich verfangen hatte, heraus zu
nehmen. Dabei klemmte sie fast die Finger ein.



Maßnahmen:

An der Stelle wurde eine Schutzschiene angebracht. Nun ist
die Maschine komplett geschlossen. Im Fall eines Staus, wird
sie kurz abgestellt. Außerdem wurde eine Gefährdungsbeurteilung
für diese Tätigkeit erstellt.

Beinahe-Unfall 3:
Fast eine Schnittwunde zugezogen

In der Hülsenproduktionsanlage schneiden Rundmesser
die Zigarettenhülsen in zwei Teile. Sind die Messer
beschädigt oder verbraucht, müssen sie von Hand
ausgetauscht werden. Ein Mitarbeiter fügte sich dabei
fast eine Schnittwunde zu. Ab und zu sind hier auch schon
kleinere Verletzungen passiert.



Maßnahme:

Die Persönliche Schutzausrüstung wurde per
Betriebsanweisung neu geregelt. Bei dieser Tätigkeit
sind Schutzhandschuhe zu tragen.




Thomas Gässler ist Fachkraft für Arbeitssicherheit bei Imperial Tobacco Efka.

Imperial Tobacco Efka untersucht alle Unfälle im Betrieb ausführlich – unabhängig
davon, ob sie meldepflichtig sind oder nicht, ob nur Sachschäden
entstanden oder gar keine Schäden (Beinahe-Unfälle) zu beklagen sind.
Mehr zu den entwickelten Maßnahmen im Magazin „etem“ der BG ETEM
unter: www.bgetem.de

(> Medien / Service > etem – Magazin für Prävention,
Rehabilitation und Entschädigung > Archiv etem > Ausgabe 2.2013 > S. 20/21)

Christine Speckner
redaktion@dguv-aug.de


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Pressemitteilung, 20. Juli 2012

EFKA-Werk in Trossingen feiert 100-jähriges Firmenjubiläum

Weltmarktführer für Cigarettenhülsen 1912 in Trossingen gegründet / Heute erfolgreiche Schwestergesellschaft der Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH / Soziales Unternehmertum seit jeher wichtige Säule des wirtschaftlichen Erfolgs / Jubiläumsfeier am 21.Juli im EFKA-Werk in der Trossinger Industriestraße

Das EFKA-Werk in Trossingen (Baden-Württemberg) feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Die offizielle Festveranstaltung zum Firmenjubiläum findet am morgigen Samstag , 21. Juli, am EFKA - Stammsitz in Trossingen statt. Neben Repräsentanten von Reemtsma werden dazu auch namhafte Vertreter aus Politik und Wirtschaft erwartet. Der Parlamentarische Staatsekretär beim Bundeminister für Wirtschaft und Technologie und Beauftragter der Bunderegierung für Mittelstand und Tourismus, Ernst Burgbacher, Mdb, wird ein Grußwort an die Gäste richten.

Das 1912 in Trossingen gegründete Unternehmen EFKA hat sich bis heute zum Weltmarktführer bei Herstellung von Cigarettenhülsen entwickelt.
Im Oktober 2000 wurde EFKA von der britischen Imperial Tobacco Group übernommen, zu der auch das Hamburger Traditionsunternehmen Reemtsma gehört. Mit seiner wachstumsorientierten und zugleich nachhaltigen Geschäftspolitik hat das einstige Familienunternehmen, das heute als weiterhin eigenständiges
Unternehmen unter Imperial Tobacco (EFKA) GmbH & Co. KG firmiert, den nationalen und internationalen Tabakmarkt in den vergangenen Jahren mitgeprägt und dabei Maßstäbe gesetzt.

" 100 Jahre EFKA, das sind 100 Jahre beispiellos erfolgreicher Wirtschaftsgeschichte in Trossingen.Fest verankert in der Stadt und der Region, hat es das langjährige Familienunternehmen zur Nummer Eins der Welt geschafft. Entscheidend für diesen Erfolg waren neben Innovationsfreude und Weitblick auch nachhaltiges Wirtschaften und soziale Verantwortung. Diese Werte sind bis heute noch maßgeblich für EFKA und es macht stolz, als Teil von Imperial Tobacco und Reemtsma das EFKA-Erbe auch im zweiten Jahrhundert der Firmengeschichte erfolgreich zu bewahren" ,so EFKA-Geschäfftsführer Matthias Girod.

Mit einem Umsatz von 44 Millionen Euro und einem Marktanteil von 43 Prozent im Geschäftsjahr 2011 ist EFKA mit Abstand die weltweite Nummer Eins bei der Produktion von Cigarettenhülsen. Die rund 200 Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter des Trossinger Werkes haben im letzten Geschäftsjahr über 21 Milliarden Hülsen hergestellt. Hauptprodukte für den deutschen Markt sind aktuell die Marken West, Columbus und JPS.Insgesamt produziert EFKA derzeit über einhundert verschiedene  Cigarettenhülsen-Artikel. Der Export von EFKA-Produkten erfolgt mittlerweile in gut zwei Dutzend Länder weltweit. Mit rund  46 Prozent des Jahresabsatzes ist Deutschland der mit Abstand größte und wichtigste Markt für EFKA. Weitere bedeutende Absatzmärkte sind darüber hinaus Ungarn, Frankreich, Polen und Belgien.

Mit der Übernahme einer Buchbinderei und Buchhandlung durch den Kaufmann Fritz Kiehn, dessen Initialen in phonetischer Schreibweise den Firmennamen darstellen, begann im Jahre 1912 die Geschichte von EFKA
in Trossingen. Seit 1920 produzierte Efka Cigarettenhülsen und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bereits der Grundstein zur späteren Weltmarktführerschaft gelegt. Die in Europa seit den 1950er Jahren wachsende Beliebtheit der Filtercigaretten führte zu einer Reduzierung des Marktes für Cigarettenpapier. Aus diesem Grund forcierte EFKA die Entwicklung von Cigarettenhülsen. Anfang der 1970er Jahre wurde trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation die Hülsen-  und Papierproduktion in eine neu gebaute Produktionsstätte verlagert, um Raum für neue Innovationen bei Technik und Produkten zu schaffen. Mit einer deutlich verbreiteten Produktpalette gelang EFKA bis in die 1980er Jahre hinein der Aufstieg zum Weltmarktführer im Hülsenbereich. Im Jahr 2000 erfolgte die Übernahme durch die Imperial Tobacco Group. Heute ist EFKA das  „Center of Excellence" für die Hülsenproduktion des britischen Unternehmens.

Neben dem wirtschaftlichen Erfolg ist auch das Wohl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit 100 Jahren Richtschnur des unternehmerischen Handelns bei EFKA. So wurde der Bedeutung der sozialen Fürsorge und Absicherung der
Belegschaft bereits in den Gründungsjahren Rechnung getragen, etwa durch die Einführung von Prämien und betrieblichen Unterstützungskassen sowie durch Modelle zur betrieblichen Altersvorsorge oder Gewinnbeteiligung.
Die Qualifikation, Motivation und Sicherheit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehört auch heute noch zum Kern der Unternehmensleitlinien und bildet die Grundlage des wirtschaftlichen Erfolges von EFKA .

" In der Tradition eines sozialen und an klar definierten Werten orientierten Unternehmertums ist EFKA seit 100 Jahren fest in Trossingen und der Region verankert. Viele dieser Werte entsprechen jenen, die seit über einhundert Jahren auch unser wirtschaftliches und gesellschaftliches Handeln als Hamburger Traditionsunternehmen bestimmen. Daher freuen wir uns auf viele weitere gemeinsame Jahre und gratulieren allen Trossinger Kolleginnen und Kollegen von Herzen zum Einhundersten" ,
sagt Richard Gretler, Vorstandssprecher Reemtsma Deutschland

Zur Feier des Jubiläums sind alle Trossinger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von EFKA, deren Angehörige und Familien sowie Partner und Freunde des Unternehmens am morgigen Samstag, 21.Juli, in das Werk in der Industriestraße eingeladen. Ein Familienfest mit Bands aus der Region wartet auf die geladenen Gäste.